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Haldeninsider

Halden gibt's im Ruhrgebiet und am Niederrhein fast wie Sand am Meer – dabei hat jede ihre eigenen Besonderheiten. Werden Sie mit Radio K.W. zum Haldeninsider und erfahren Sie mehr über die Kunstwerke, Panoramawege und Festivals in über 100 Metern Höhe.

Das Hallenhaus der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn (Foto: Stadt Neukirchen-Vluyn).

Panoramaweg, Himmelstreppe und Festivals

Es soll ja Leute geben, die lieber die Treppe nehmen, statt zu laufen - bei uns in der Region gibt's einen speziellen Ort, da kann man sich das nicht so wirklich aussuchen, denn es gibt nur die Treppe. Genau 359 Stufen sind es an der Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn. Die 102 Höhenmeter können einen zum schwitzen bringen. Deswegen nutzen viele diesen Weg zum Training, aber auch ohne Sport lohnt sich der Aufstieg. Von da oben schaut man nicht nur über Moers, Duisburg und das Ruhrgebiet, es gibt auch ein "Haldentop" - mit Schilfgürteln, Stegen und einem Panoramaweg. Fühlt sich an wie mitten im Naturschutzgebiet. Etwas abseits von diesem Bereich wird gerne gefeiert. Zum Beispiel wird am 15. August 2015 beim Heaven & Hill Festival auf vier Bühnen House- und Technomusik gespielt. Wenn man gerade nicht in den Sonnenuntergang hineintanzen kann, sieht man Gleitschirmflieger.

Das ehemalige Stollenkrankenhaus in der Halde Graf Moltke.

In drei Monaten zum Stollenkrankenhaus

Besonders ist an der Halde Graf Moltke, dass sich in ihrem Inneren mal ein Krankenhaus befand. Das so genannte „Stollen-Krankenhaus“ ist zum Ende des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1945 entstanden. Das eigentliche Krankenhaus, St. Barbara, war nämlich durch Bombenangriffe vollkommen zerstört worden. Die Patienten mussten also irgendwo untergebracht werden. Und so haben dann Bergleute, Kriegsgefangene und viele Freiwillige innerhalb von drei Monaten Tag und Nacht das Stollenkrankenhaus zwischen B224 und Steinstraße gebaut.
Dafür, dass das Hospital in einem Stollen und aus der Not heraus gebaut wurde, war es erstaunlich gut ausgestattet. Es war komplett eingerichtet mit OP-Saal, Badezimmer, Warmwasser und Licht. Und sogar eine Kapelle hatte das kleine Krankenhaus vorzuweisen.
Ausgelegt war das Ganze für 250 Patienten, während der Bombenangriffe suchten aber bis zu 600 Menschen Schutz im Stollenkrankenhaus. Knapp 1 1/2 Jahre war das Krankenhaus im Stollen in Betrieb. Heute sind die Eingänge dazu zugemauert und die Hohlräume mit Beton zugeschüttet. Weil es in der Moltke-Halde immer wieder Tagesbrüche gab, also rissige Stellen im Stollen, und dadurch Einsturzgefahr herrschte. Aus Sicherheitsgründen musste der Stollen dann zugemacht werden.

In der Halde Oberscholven lagert das Trinkwasser der Gelsenkirchener (Foto: Gelsenwasser).

Höchste Halde beherbergt Wassertanks

Sie überragt ihre Umgebung um 140 Meter und ist damit die höchste Erhebung im Ruhrgebiet. Die Halde Oberscholven in Gelsenkirchen hat noch mehr zu bieten: Im Innern der Halde befindet sich ein riesiger Wassertank der Firma Gelsenwasser und darin lagert unser Trinkwasser. Im Jahr 1980 wurde drei Jahre lang auf, in und um die Halde gebaut und jetzt liegen darin 15 Röhren. Die sind 66 Meter lang, haben einen Durchmesser von bis zu zehn Metern und in jeder dieser Wasserkammern sind bis zu 3600 Kubikmeter Trinkwasser gelagert.
Der Wasserstand schwankt immer zwischen drei und acht Metern. Bei 13 Grad wird das Wasser übrigens gelagert, es ist also recht kühl da unten. Und einmal im Jahr wird das ganze Wasser aus den Röhren abgepumpt, dann ist nämlich Frühjahrsputz angesagt. Mit einem großen Düsenrohr, vielen kleinen Bürsten und Schrubbern kommen die Jungs, die das reinigen, da echt in jeden Winkel und putzen alles blitzblank. Das Ganze natürlich ohne Chemie. Genug Wasser, um die Behälter zu reinigen, ist ja vorhanden.
Regelmäßige Besichtigungen gibt es leider nicht. Ab und an, zu besonderen Anlässen öffnet Gelsenwasser aber seine Pforten auch für Besucher und da kann dann jeder mal hinter die Kulissen der Trinkwasserversorgung in Gelsenkirchen blicken. Also wo kommt eigentlich das Wasser her, mit dem sich die Gelsenkirchener morgens duschen oder womit sie ihren Kaffee aufbrühen.

Das Geleucht auf der Halde Rheinpreussen gilt als größtes Montankunstwerk der Welt.

Geleucht als Symbol für den Bergbau

Eine Grubenlampe ist normalerweise ein Licht, das von Bergleuten unter Tage eingesetzt wird - in Moers gibt's dieses Geleucht aber in über 100 Metern Höhe. Das Ganze in XXL auf einer Halde. Der Künstler Otto Piene hat sich gedacht: Die Bergbautradition gehört hierher und die muss erhalten bleiben. Deshalb hat er eine 30 Meter hohe Grubenlampe konzipiert. Heute gilt sie als das größte Montankunstwerk der Welt. Das hat auch eine besondere Beleuchtung verdient: Nachts wird das Ganze rötlich – als Hommage an die Berg- und Hüttenleute.
Die Halde Rheinpreußen in Moers kommt zusammen mit dem Geleucht auf eine Höhe von über 100 Metern. Die Grubenlampe selbst ist nochmal begehbar, die Aussichtsplattform liegt dann bei 122 Metern Höhe. Das lohnt sich nicht nur für den Blick ins Ruhrgebiet und die Städte drumherum, da oben ist es auch ziemlich windig – das nutzen viele zum Beispiel beim Drachenfest, am 22. und 23. August 2015 steht das nächste an. Der Eintritt ist frei und man kann seinen eigenen Drachen in den Himmel steigen lassen.

Die Halde Altstaden in Oberhausen.

Von der Kohle zur Halde

1851 am östlichen Ufer der Uhr entsteht die Kohlezeche Alstadten mit zwei Schächten. Damals war das noch Mülheimer Stadtgebiet. 1972, also mehr als 120 Jahre später geht die letzte Kohle vom Band. Und da wo die verschiedenen Schächte waren sind jetzt Halden aufgeschüttet. Keine riesig-hohen Halden, aber Halden. Eine ist direkt am Ruhrtal-Radweg. Inzwischen in Oberhausen-Alstaden. Zwei kleine Halden, die aus einer alten Zeche entstanden sind. Sie sind nicht wie die klassischen Halden mit hohen Aussichtspunkten. Haben aber trotzdem durchaus ihren Charme.


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