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Sizilien - Vulkan Ätna hochaktiv
© Simone Genovese/AP/dpa
Lavaströme fließen die Hänge des Ätna hinab.
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Ätna lässt Tausende Urlauber stranden

Mitten in der Hauptreisezeit sorgt Europas größter Vulkan mit seinen Ausbrüchen für große Probleme. In Catania kann am Morgen nur eine einzige Maschine starten. Touristen sind verzweifelt.

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Sizilien

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Catania (dpa) - Auf Sizilien gehört der Ätna gewissermaßen zum Pflichtprogramm für jeden Touristen - jetzt sorgt Europas aktivster Vulkan allerdings dafür, dass mancher Urlaub extrem leidet. Wegen des jüngsten Ausbruchs, der seit Freitag dauert, sitzen auf der italienischen Mittelmeerinsel mehrere Tausend Urlauber fest, darunter auch viele Deutsche.

Infolge der Aschewolken am Himmel wurde der Flugbetrieb auf dem Flughafen Catania bis Mittwoch um 11.00 Uhr komplett gestoppt. Auch zuvor schon hatten kaum noch Flugzeuge starten und landen können. Mehr als 200 Flüge mussten umgeleitet oder ganz gestrichen werden.

Damit wird vor allem die Heimreise für viele Urlauber zur Tortur. Auf dem Flughafen der 300.000-Einwohner-Stadt Catania, am Fuß des Ätna gelegen, kommt es zu chaotischen Szenen. Manche Familien mussten dort auch übernachten. Zudem sind die Flüge von anderen Flughäfen und die Züge weg von der Insel ausgebucht. Aus einem Flug von Catania nach Berlin - normalerweise eine Reise von zweieinhalb Stunden - wurde für eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein Trip von zweieinhalb Tagen.

Ätna schon seit fünf Tagen wieder schwer aktiv

Der Ätna stößt nun schon den fünften Tag in Folge große Mengen Asche und glühende Gesteinsbrocken aus. Aus zwei Schloten in 2.360 Metern und 2.750 Metern Höhe dringen nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dicke Lavaströme nach draußen. In der Nacht öffnete sich auf einer Höhe von etwa 1.900 Metern Höhe ein neuer Schlot. Solche Ausbrüche des mehr als 3.300 Meter hohen Vulkans sind keine Seltenheit, deshalb wird der Ätna seit Jahrzehnten aufs Gründlichste überwacht.

Für Flugzeuge gelten hohe Sicherheits-Standards. Die Behörden entscheiden je nach Windrichtung und Aschekonzentration über Sperrungen, oft auch sehr kurzfristig. Aktuell gilt für Catania die höchste Warnstufe Rot. Das bedeutet, dass eine Eruption mit erheblichem Ausstoß von Asche unmittelbar bevorsteht oder bereits in Gang ist. Am Morgen konnte nur eine einzige Maschine für einen Inlandsflug abheben. Alle Landungen wurden bis 19.00 Uhr ausgesetzt.

Urlauber: Mit dem Schlauchboot ginge es schneller

Jetzt im Hochsommer, wenn auch viele Ausländer auf der Insel sind, sorgt das für große Probleme. Viele versuchen, auf den Flughafen der Inselhauptstadt Palermo oder den Zug auszuweichen. Nach Schätzungen sind etwa 30.000 Menschen betroffen. Viele Touristen mussten ihren Aufenthalt auf der Insel verlängern. Allerdings sind die Unterkünfte voll, weshalb manche die Nacht am Flughafen verbringen mussten. 

Viele gestrandete Passagiere beschwerten sich, dass das Personal dort überfordert sei. Immer wieder gebe es widersprüchliche Ansagen. Einer sagte der Zeitung «La Repubblica»: «Man hat uns unserem Schicksal überlassen. Wäre ich in ein Schlauchboot gestiegen, wäre ich mit Sicherheit früher angekommen.» 

Hinzu kommt, dass die Not der Touristen von Geschäftemachern ausgenutzt wird. Der italienische Schauspieler Filippo Laganà berichtete auf Instagram, dass für den Shuttlebus von Catania nach Palermo - etwa 200 Kilometer - ein Preis von 700 Euro verlangt werde. Die Intercity-Züge von der Insel nach Rom - etwa zehn Stunden, auch über eine Fähre - sind auf Tage ausgebucht. Zudem gibt es in solchen Zügen keinen Speisewagen und nicht einmal Trinkwasser im Verkauf. Aus Rom gehen viele internationale Flüge ab.

Asche klebt bei Temperaturen um 35 Grad auf der Haut

Unklar ist nach wie vor, wann der Flugbetrieb in Catania wieder halbwegs normal laufen wird. Auf dem Rollfeld stehen inzwischen zahlreiche Flugzeuge, die mit Abdeckungen vor dem Ascheregen geschützt werden. Insbesondere die Triebwerke werden penibel geschützt. Die Start- und Landebahnen müssen immer wieder von Vulkanasche gereinigt werden. Pro Jahr werden hier mehr als zwölf Millionen Passagiere abgefertigt.

Der Ascheregen belastet aber auch den Alltag von Inselbewohnern und Touristen, die nicht reisen müssen. In der Sommerhitze bildet der Schweiß auf der Haut für die feinen Partikel einen wunderbaren Kleber: Die Haut ist dann schwarz gesprenkelt. Auf den Straßen reicht schon ein vorbeifahrender Bus, um den grauen Staub aufzuwirbeln. Zudem ist der Blick auf den Ätna - einen sehr imposanten Berg - bei eigentlich perfekt blauem Himmel durch die Rauchwolken getrübt.

Trotz aller Probleme zieht der Vulkan aber weiterhin die Touristen an. Bei Einbruch der Dunkelheit pilgern Schaulustige nun abends zu den Aussichtspunkten, um die rotglühenden Lavaströme vor dem Nachthimmel zu fotografieren. Auf dem Nachhauseweg verlor ein junges italienisches Paar die Orientierung. Die beiden mussten einen Notruf absetzen und konnten dann gerettet werden.

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© dpa-infocom, dpa:260811-930-512627/4
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Vulkan Ätna spuckt Asche
© Lena Klimkeit/dpa
Auch die Scheiben von Autos sind mit Asche bedeckt.
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Vulkan Ätna spuckt Asche
© Lena Klimkeit/dpa
Die feinen Partikel lagern sich auf dem Boden ab.
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