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Castor-Transport rollt durch den Kreis Wesel
© Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services
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Castor-Transport rollt durch den Kreis Wesel

Der erste Castor-Transport von Jülich nach Ahaus ist in der Nacht auch durch den Kreis Wesel gefahren. Unter der Baerler Brücke bei Moers haben Atomkraftgegner protestiert.

Veröffentlicht: Mittwoch, 25.03.2026 04:31

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In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist der erste Castor-Transport von Jülich im Kreis Düren ins münsterländische Ahaus gerollt. Der Konvoi ist direkt durch den Kreis Wesel gefahren: Nach Angaben unseres Reporters vor Ort hat er sich über rund vier Kilometer gezogen und ist über die Baerler Rheinbrücke auf der A42 bei Moers gefahren. Der 130-Tonnen-Schwertransporter hat einen Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll geladen. Gegen zwei Uhr heute Nacht ist der Konvoi in Ahaus angekommen. Landesweit sind dabei rund 2.400 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz gewesen. Der Konvoi hat aus etwa hundert Fahrzeugen bestanden. Zu größeren Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Die genaue Route haben die Behörden vorher nicht bekanntgegeben. Dass der Transport über die A42 bei Moers läuft, hat der BUND im Vorfeld aus einer Drohnen-Flugverbotszone des Bundesverkehrsministeriums entlang dieser Strecke geschlossen.

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Mahnwache unter der Baerler Brücke

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Direkt unter der Baerler Brücke hat der BUND zur Mahnwache aufgerufen. Rund vierzig bis fünfzig Menschen sind der Einladung gefolgt und haben bis tief in die Nacht protestiert. Eine mobile Teeküche hat die Teilnehmer durch die langen Stunden gebracht. BUND-Sprecher Michael Zerkübel hat die Sorgen der Atomkraftgegner deutlich gemacht: Wenn so ein Castor beschädigt wird, dann wird die umliegende Gegend in einer Weise verstrahlt, die hochgefährlich ist für die Gesundheit. Der BUND hält die Transporte über Autobahnen für unverantwortlich – besonders mit Blick auf mögliche Drohnenangriffe. Die Organisation hatte den Transport per Eilantrag vor dem Oberverwaltungsgericht Brandenburg stoppen wollen. Das Gericht hat den Antrag abgelehnt. Das Hauptverfahren läuft aber noch. Der gestrige Transport ist erst der Anfang: Insgesamt müssen 152 Castor-Behälter mit rund 300.000 Brennelement-Kugeln aus dem ehemaligen Versuchsreaktor in Jülich nach Ahaus gebracht werden. Das kann sich über zwei Jahre hinziehen. Ein Endlager für den hochradioaktiven Atommüll gibt es in Deutschland bis heute nicht.

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Kein Endlager in Sicht

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Der Transport von Jülich nach Ahaus ist kein Einzelfall in der deutschen Atomgeschichte. In Deutschland gibt es bis heute kein Endlager, in dem hochradioaktiver Atommüll auf Hunderttausende Jahre sicher gelagert werden kann. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager – darunter das in Ahaus. Dort liegen bereits 305 Castor-Behälter des gleichen Typs, die Brennelemente aus dem Thorium-Hochtemperaturreaktor im westfälischen Hamm-Uentrop enthalten. Die Lagerung in Jülich ist seit Jahren ein Problem: Die letzte Betriebsgenehmigung für das dortige Lager ist bereits 2013 ausgelaufen. Das NRW-Wirtschaftsministerium hat 2014 angeordnet, das Lager in Jülich zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden kann. Aus Sicht des Landes NRW wäre ein Neubau direkt in Jülich die beste Lösung gewesen. Die Bundesebene hat das aber nicht unterstützt. Jetzt wandert der Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste. Experten gehen davon aus, dass es noch mindestens fünfzig Jahre dauert, bis ein Endlager in Deutschland in Betrieb geht – eine Endlösung ist nicht in Sicht.

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