
In Moers gibt es heute Abend wieder Proteste gegen die Castor-Transporte von Jülich nach Ahaus. Die Sattelzüge mit radioaktivem Atommüll rollen in zwei aufeinanderfolgenden Nächten erneut über die A42 – mitten durch das Moerser Stadtgebiet. Es ist dann bereits der zehnte Transport dieser Art. Der BUND ruft ab 22 Uhr 30 zur Mahnwache auf – am Fuße der Baerler Brücke in Moers. Die Linke Liste Moers warnt vor Sicherheitsrisiken durch marode Brücken und Baustellenengpässe und fordert einen offiziellen Ratsbeschluss gegen weitere Atomtransporte – so wie es Städte wie Köln, Düsseldorf und Münster bereits beschlossen haben. Die Gesamtkosten für alle Transporte und Lagerung belaufen sich laut Entsorgungsgesellschaft auf rund 150 Millionen Euro – Polizeikosten nicht eingerechnet. Die bisherigen Transporte verliefen alle ohne Zwischenfälle – begleitet jeweils von einem Polizeigroßaufgebot.
Castor-Transport durch Moers – was steckt hinter dem Atommüll aus Jülich?
Die Forderung, den Atommüll einfach in Jülich zu lassen, klingt einfach – hat aber einen Haken. Das dortige Zwischenlager bestand 2013 den Stresstest nicht. Die Erdbebensicherheit war nicht ausreichend nachweisbar. Die Atomaufsicht ordnete deshalb 2014 die Räumung des Lagers an. Der Atommüll stammt aus dem AVR – einem Hochtemperaturreaktor, der von 1967 bis 1988 in Jülich in Betrieb war. Rund 290.000 tennisballgroße Brennelementkugeln lagern seitdem in 152 Castor-Behältern. Pro Nacht fährt jeweils nur ein Transporter – das französische Unternehmen Orano hat deshalb bereits beantragt, die atomrechtliche Transportgenehmigung bis August 2028 zu verlängern. Von 152 Behältern sind dann bisher zehn transportiert – die restlichen 142 stehen noch aus. Für den Kreis Wesel bedeutet das noch Jahre mit Nacht-Transporten.