Der Wolf am Niederrhein - wie geht es weiter?

Seit einem Jahr sind Teile vom Kreis Wesel Wolfsgebiet: Der Wolf ist zurück in NRW und spaltet die Gemüter. Wir fassen die wichtigsten Fakten, Meinungen und Perspektiven zusammen.

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Vor rund einem Jahr hat Wölfin Gloria den rechtsrheinischen Teil vom Kreis Wesel zum Wolfsgebiet gemacht: Sie gilt hier als standorttreu. Seitdem gab es 15 Fälle im Kreis Wesel, in denen der Wolf meist mehrere Nutztiere gerissen hat - vor allem in Schermbeck und Hünxe. Viel Kritik kommt von den Tierhaltern: Die Freigabe der Fördermittel vom Land dauere zu lange und sei in vielen Fällen zu gering.

Tierhalter kritisieren das Land

Das Land zahlt in den Wolfsgebieten für gerissene Tiere und fördert Schutzmaßnahmen wie Zäune, allerdings mit maximal 20.000 Euro. Laut Berufsschäfern kostet ein Herdenschutzhund allein in der Anschaffung 5000 Euro und etwa 2500 Euro in der Haltung pro Jahr. Für eine Herde mit 350 Schafen seien demnach mindestens vier Hunde notwendig - die Förderrichtlinien sind für sie also wenig hilfreich. Die Tierhalter wünschen sich, dass die Politik mit den Menschen vor Ort spricht. Denn auch die Vorgaben für Schutzzäune seien in der Praxis kaum umsetzbar. Einige Tierhalter halten Gloria auch für eine Problemwölfin, denn sie gehe gezielt auf Nutztiere. Sie fordern daher, dass Gloria abgeschossen wird. Naturschützer sind strikt dagegen: Der Wolf gehöre an den Niederrhein, weil unsere Wälder voller Wild steckten, heißt es etwa vom Naturschutzbund in Wesel.

Jäger fordern Kontrolle der Wolfspopulation

Das Landesumweltamt (LANUV) beobachtet die Wolfspopulation am Niederrhein, unter anderem mit Fotofallen. Das aktuelle Monitoring sei wichtig, findet die Kreisjägerschaft. Der Wolf müsse reguliert werden: Eine einzelne Wölfin sei noch kein Problem, allerdings bedürfe es einer Kontrolle - etwa mit einer Obergrenze. Der Wolf habe keinen natürlichen Feind und könne sich dadurch enorm vermehren, meinen die Jäger. Außerdem sei der Wolf kein Streicheltier, sondern ein Raubtier und könne gefährlich werden, wenn er lerne, sich an menschlichen Siedlungen wohlzufühlen.

Das ist das Wolfsgebiet am Niederrhein

Das Wolfsgebiet Schermbeck umfasst 957 km² und schließt dabei die folgenden Städte und Gemeinden ein:

  • Kreis Wesel: Schermbeck, Hünxe, Dinslaken, Voerde, Wesel (nur der rechtsrheinische Teil), Hamminkeln
  • Kreis Kleve: Rees (im Nordwesten bis zur B 67)
  • Kreis Borken: Raesfeld
  • Kreis Recklinghausen: Dorsten
  • Kreisfreie Stadt Bottrop (nur der Teil nördlich der A2)
  • Kreisfreie Stadt Oberhausen (nur der Teil nördlich der A2/A3)

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