
Im Alten Hafthaus in Moers soll bald ein Boxevent laufen, das gerade für Diskussionen sorgt. Unter dem Namen "100 Zellen" sollen dort 100 Kämpferinnen und Kämpfer im K.-o.-System gegeneinander antreten, der Sieger soll 100.000 Euro bekommen. Beworben wird die Veranstaltung online mit Bildern und Videos, die an die Geschichte des Gebäudes als ehemaliges Gefängnis anknüpfen - zum Beispiel mit nachgestelltem "Gefängnispersonal". So die generelle Idee - die Grünen in Moers haben sich daraufhin mit kritischen Fragen zu der Veranstaltung an die Bürgermeisterin gewandt. Die Fraktion wirft den Veranstaltern vor, dass auf der Website und in den sozialen Medien ursprünglich mit Kämpfen ohne sportliches Regelwerk und ohne Kampfrichter geworben worden sei. Die Veranstalter weisen das zurück: Ein Regelwerk habe es von Anfang an gegeben, es sei bereits seit dem 7. September ausführlich unter anderem auf dem Instagram-Kanal der Veranstaltung einsehbar gewesen. Die Grünen erinnern außerdem daran, dass im Alten Hafthaus über Jahrzehnte Menschen inhaftiert gewesen sind, zuletzt auch Menschen in Abschiebehaft. Die Fraktion will deshalb von der Stadt wissen, ob bereits Genehmigungsanträge vorliegen und ob das Event mit den bisherigen Plänen für das Gebäude vereinbar ist. Bislang war von einem Kultur-, Event- und Begegnungszentrum die Rede.
Veranstalter wollen aus dem Hafthaus einen Ort der Begegnung machen
Die Veranstalter haben inzwischen in einer eigenen Stellungnahme reagiert und den rein sportlichen Charakter des Formats betont. Nach eigenen Angaben handelt es sich um ein Boxturnier mit erfahrenen Athleten, das nach internationalen Box-Regeln sowie Elementen des olympischen Boxens ausgetragen werden soll. Ausgebildete Kampf- und Ringrichter und ein medizinisches Team sollen demnach vor Ort für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen. Das sei von Anfang an so geplant gewesen. Zur Wahl des Veranstaltungsortes haben die Organisatoren erklärt, dass ihnen die Geschichte des Gebäudes bewusst sei. Das Format solle aus dem ehemaligen Ort der Gefangenschaft einen Ort der Begegnung machen. Die langfristigen Pläne für das Hafthaus als Kultur- und Begegnungsstätte mit Coworking-Flächen und Weinbar blieben von dem zeitlich begrenzten Event unberührt, so die Veranstalter.

