
Der Energiekonzern Siemens Energy will eine wichtige Sparte umbauen. Es geht um den Bereich Transformation of Industry, kurz TI. Dazu gehören unter anderem Dampfturbinen, Kompressoren und Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion. Nach Angaben des Unternehmens soll die Sparte künftig eigenständiger aufgestellt werden. Das soll ihr mehr unternehmerische Flexibilität und zusätzliche Wachstumschancen ermöglichen, teilt Siemens Energy laut dpa mit. Möglich sind demnach auch externe Investoren oder eine Kapitalmarkttransaktion. Der Konzern selbst will dabei nur eine Minderheitsbeteiligung behalten. Von den Plänen sind auch zwei Standorte im Ruhrgebiet betroffen: die Werke in Duisburg und in Mülheim an der Ruhr. In Duisburg arbeiten aktuell rund 1700 Menschen für Siemens Energy, davon rund 1500 im Bereich TI. In Mülheim geht es um rund 550 von mehr als 4000 Beschäftigten.
IG Metall kritisiert Siemens-Energy-Pläne in Duisburg
Die Gewerkschaft IG Metall reagiert zurückhaltend auf die Pläne des Managements. Nach eigenen Angaben gibt es bislang keine offizielle Entscheidung im Aufsichtsrat von Siemens Energy. „Wir sind von den Plänen nach wie vor nicht überzeugt“, erklärt die IG-Metall-Zentrale in Frankfurt. Zu möglichen Folgen für die Beschäftigung äußert sich die Gewerkschaft vorsichtig. „Über Auswirkungen auf Beschäftigung lässt sich seriös noch nichts sagen, weil noch zu viel im Unklaren ist“, heißt es weiter. Der Gewerkschaft ist wichtig, dass Arbeitsplätze, Standorte, Mitbestimmung und Tarifstandards langfristig gesichert bleiben. Deutlichere Kritik äußert Nadine Florian, Vorsitzende des Europäischen Betriebsrats von Siemens Energy, in einem Flugblatt der IG Metall. „Für die Beschäftigten kommt dieser Vorschlag zur völlig falschen Zeit“, schreibt Florian darin. Sie beschreibt die Stimmung unter den Beschäftigten als angespannt: „Viele Beschäftigte empfinden dies, als würde man sie vor die Tür setzen.“ Florian warnt zudem davor, wichtige Zukunftsfelder aus der Hand zu geben. Auch Manuel Bloemers von der IG Metall äußert sich in dem Flugblatt kritisch und warnt davor, dass der Konzern durch die Pläne wichtiges Know-how verlieren könnte.
Investoren zeigen Interesse an Siemens Energy in Duisburg
Konzernchef Christian Bruch begründet den geplanten Umbau laut dpa mit der Wachstumsstrategie von Siemens Energy. Der Bereich Transformation of Industry habe sich in den vergangenen Jahren erfolgreich entwickelt und verzeichne ein hohes Wachstum, sagt Bruch. Der Konzern wolle künftig aber vor allem in andere Bereiche investieren. „Unser derzeitiger Investitionsschwerpunkt liegt auf der Stromerzeugung und der Stromübertragung“, sagt Bruch laut dpa. „Dort erzielen Investitionen kurzfristig höhere Erträge.“ Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet nach dpa-Angaben, dass bereits mehrere Finanzinvestoren Interesse an der Sparte zeigen. Die Sparte könnte demnach mit mehr als zehn Milliarden Euro bewertet werden. Im Konzern selbst ist laut WAZ-Bericht von einem mehrmonatigen Prozess die Rede, eine überhastete Umsetzung sei nicht zu erwarten. Der Konzern will künftig zudem unter dem Namen Omterra auftreten, wie das Management bereits Mitte Juli angekündigt hat. Marcus Brücher leitet weltweit das Kompressoren-Geschäft von Siemens Energy und hat sein Büro in Duisburg. Im Gespräch mit der Zeitungs-Redaktion blickt er trotz der Unsicherheit zuversichtlich nach vorn: „Ich verstehe, dass die aktuellen Nachrichten Fragen und vielleicht auch Sorgen bei den Beschäftigten wecken. Aber ich sehe es durchaus optimistisch.“ Er verweist zudem auf die aktuell hohe Nachfrage aus der Öl- und Gasindustrie, einem wichtigen Kundenkreis des Duisburger Standorts.