
Krieg im Nahen Osten
Frankfurt/Dubai/Berlin (dpa) - Für in Nahost gestrandete Deutsche ist es ein Hoffnungsschimmer: Heute will die Bundesregierung ihre Rückholaktion für Kinder, Kranke und Schwangere starten. Nach den Worten von Außenminister Johann Wadephul (CDU) ist ein erster Flug nach Maskat geplant, mit dem Menschen aus der Hauptstadt des Oman geholt werden sollen. Bereits am Dienstag kamen Urlauber mit den ersten Linienmaschinen nach Deutschland. Die Erleichterung bei den Passagieren war groß.
Wegen der Eskalation des Nahost-Konflikts seit dem Wochenende sitzen in der Region weiterhin Zehntausende Menschen fest, die im Nahen Osten Urlaub machen oder einen der dortigen Flughäfen als Drehkreuz nutzen wollten. Viele Staaten in der Region haben ihren Luftraum geschlossen, Kreuzfahrtschiffe liegen in Häfen fest.
Wer von der Rückholaktion profitiert
Bei vielen Touristen ist die Verzweiflung groß. Der Bundesregierung wurde vorgeworfen, nicht genug für gestrandete Urlauber zu tun. Schließlich kündigte Wadephul an, alte, kranke und schwache Menschen sowie Kinder und schwangere Frauen nach Deutschland zurückzubringen. «Wir müssen schauen, wen wir dort mitnehmen können», sagte er dem Sender Welt TV am Dienstag.
Die Passagiere müssten zunächst aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Oman ausreisen. Das Auswärtige Amt habe in diesem Zusammenhang sein Personal verstärkt, sagte Wadephul. «Aber es hängt natürlich auch davon ab: Wer schafft diesen Landweg. Wer kann sich ein Fahrzeug besorgen.»
Laut Lufthansa soll ein Jet vom Typ Airbus A340-300 in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die Menschen nach Hause bringen. Weitere Flüge sind dem Außenminister zufolge in den kommenden Tagen geplant.
Was bedeutet das für die anderen Reisenden?
Allen anderen deutschen Staatsbürgern außerhalb dieser besonders hilfsbedürftigen Gruppe müsse man entweder noch einen längeren Aufenthalt zumuten oder anbieten, direkt von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus nach Deutschland zu fliegen. «Ich bin guter Dinge, dass wir jetzt in den nächsten Tagen vorankommen», so dass «die allermeisten der deutschen Touristen endlich zurückkommen können nach Deutschland», sagte Wadephul.
Israel und die USA hatten am Samstagmorgen mit Luft- und Raketenangriffen auf den Iran begonnen. Teheran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion. Unklar ist, wann der Krieg endet.
Linienflieger evakuieren Urlauber
Am Dienstagnachmittag landete erstmals nach zahlreichen Flugausfällen wieder eine Maschine der Fluggesellschaft Emirates aus Dubai in Frankfurt am Main. Am späten Abend kam ein weiterer Flieger am Flughafen München an. An Bord waren nach Angaben eines Sprechers des Reisekonzerns Tui unter anderem rund 200 Tui-Gäste.
Viele Rückkehrer fielen erleichtert ihren Familien in die Arme. «Wir wussten nicht, ob wir wieder rauskommen», erzählte eine junge Frau unter Tränen. Sie saß auf einem Kreuzfahrtschiff fest, als die Angriffe begannen.
«Ich glaube, wir hatten Glück, weil wir den Kleinen dabei hatten», sagte ein Familienvater mit Blick auf seinen Sohn. Das Kind sei quasi die Eintrittskarte in den Flughafen gewesen – Freunde der Familie seien lediglich auf einer Warteliste gelandet.
SPD-Außenpolitiker fordert weitere Rückholflüge
Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic forderte die Bundesregierung auf, den Kreis der Menschen zu erweitern, die von Evakuierungsflügen profitieren. «Wir sprechen über Zehntausende deutsche Staatsangehörige in der Region. Es müssen weitere Unterstützungspläne folgen», sagte er dem Magazin «Focus». Besonders dringlich sei die Situation einiger junger Menschen, die für ein Freiwilliges Soziales Jahr vor Ort seien, teils auch im Auftrag der Bundesregierung: «Sie und ihre besorgten Eltern erwarten zu Recht eine schnelle und sichere Lösung.»
Auch andere Länder bringen mittlerweile nach der Eskalation im Nahen Osten erste Evakuierungsflüge für ihre Staatsbürger auf den Weg.
