
Die Wintergerstenernte im Rheinland und damit auch im Kreis Wesel ist in diesem Jahr ungewöhnlich früh zu Ende gegangen. Temperaturen von bis zu vierzig Grad in der vergangenen Woche haben die Abreife auf den Feldern deutlich beschleunigt. Die Halme waren vielerorts noch grün – doch die Ähren hatten bereits Feuchtigkeit verloren und die sogenannte Druschreife erreicht. Schon seit Anfang der vergangenen Woche rollten die Mähdrescher über die Felder. Inzwischen ist die Ernte nahezu abgeschlossen. Die durchschnittlichen Erträge liegen nach ersten Schätzungen bei neun bis zehn Tonnen je Hektar. Das klingt solide – ist aber rund sieben bis acht Prozent weniger als im Vorjahr. Das kühle und regenreiche Frühjahr mit wenig Sonne hat seinen Anteil daran.
Wintergerste im Kreis Wesel: Qualität und Preise unter Druck
Auch bei der Qualität gibt es Abstriche. Das sogenannte Hektolitergewicht – ein wichtiger Wert für die Futterqualität – liegt in diesem Jahr zwischen 62 und 68 Kilogramm. Das ist leicht unter dem Vorjahreswert. Neben der Hitze ist auch das schlechte Frühjahr dafür verantwortlich. Und wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt: Der Erzeugerpreis für Wintergerste liegt teils unter 17 Euro je Dezitonne. Das ist ein niedriges Niveau. Hauptgrund ist die sinkende Nachfrage im Inland. Wintergerste wird überwiegend als Futtermittel eingesetzt – und der Schweinebestand in Deutschland geht seit Jahren zurück. Deshalb landet ein wachsender Teil der Ernte im Export, zum Beispiel nach Spanien. Dort ist die Tierhaltung in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Der Rheinische Landwirtschafts-Verband sieht darin ein strukturelles Problem und fordert eine stärkere politische Unterstützung für die heimische Tierhaltung. Wer regionale Lebensmittelversorgung sichern wolle, müsse den Tierhaltungsstandort Deutschland stärken.