
Der Rhein führt aktuell historisch wenig Wasser. Das spüren auch die Häfen im Kreis Wesel. Deltaport betreibt hier gleich drei Standorte: den Hafen Emmelsum in Voerde, den Rhein-Lippe-Hafen und den Stadthafen Wesel. Geschäftsführer Andreas Stolte beschreibt die Lage im Gespräch mit der NRZ als dramatisch, auch wenn der Niederrhein besser dasteht als andere Rheinabschnitte. Grund dafür ist der Pegelstand: In Wesel lag er heute Mittag bei 63 Zentimetern, am Mittelrhein in Kaub dagegen nur bei sechs. Binnenschiffe können deshalb in Emmelsum noch 1000 bis 1200 Tonnen Fracht laden. Trotzdem hat das Niedrigwasser spürbare Folgen. Aktuell legen täglich rund 40 Binnenschiffe in Emmelsum an, doppelt so viele wie normal. Zusätzlich sind etwa 30 Prozent mehr Lkw unterwegs, um fehlende Schiffsladung auszugleichen. Das treibt die Kosten für Unternehmen deutlich in die Höhe.
Politik soll Rhein-Ausbau vorantreiben
Andreas Stolte sieht auch die Politik in der Pflicht. Er fordert einen schnelleren Ausbau der Fahrrinnen, um den Rhein auch bei Niedrigwasser befahrbar zu halten. Für einige Streckenabschnitte fehle bislang die nötige Finanzierung. Zum Vergleich: Das letzte große Niedrigwasser 2018 verursachte laut Stolte einen volkswirtschaftlichen Schaden von 2,4 Milliarden Euro. Die aktuellen Pegel seien noch niedriger. Besonders betroffen ist die Stahl- und Chemieindustrie, die auf funktionierende Schiffstransporte angewiesen ist. Steigende Logistikkosten könnten laut Stolte dazu führen, dass Unternehmen ihre Standorte verlagern. „Niedrigwasser betrifft uns als Gesellschaft", warnt er. Für Ende August erwarten Fachleute eine leichte Entspannung. Bis dahin bleibt die Lage für Häfen und Wirtschaft im Kreis Wesel angespannt.