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Hochschule Rhein-Waal entwickelt digitale Alltagshelfer
© Arnulf Stoffel / Funke Foto Services
Roboterhund Rheini in der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort.
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Hochschule Rhein-Waal entwickelt digitale Alltagshelfer

An der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort arbeiten Forscher an digitalen Alltagshelfern für Menschen mit Beeinträchtigungen. Ihre Entwicklungen reichen vom Roboterhund bis zur sprechenden Puppe für Demenzkranke.

Veröffentlicht: Mittwoch, 15.04.2026 10:22

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Wer das Labor im zweiten Stock der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort betritt, trifft zuerst auf Rheini. Der Roboterhund stakst auf Besucher zu, macht Männchen und legt sich auf den Rücken. Rheini ist mehr als ein Hingucker. Er hat eine Kamera an Bord und kann in Gefahrenzonen geschickt werden, die für Menschen nicht betretbar sind – ein brennendes Gebäude zum Beispiel. Einsatzkräfte sehen dann durch seine Augen, was er sieht. Aber Rheini ist nur der Anfang. Im sogenannten AIS-Lab, dem Ambient Intelligent Systems-Labor, entwickeln Wissenschaftler eine ganze Reihe digitaler Alltagshelfer. Der Fokus liegt auf Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Eine Kamera verfolgt die Augenbewegungen von ADHS-Patienten beim Lesen und hebt automatisch die aktuelle Zeile hervor – damit Betroffene den Faden nicht verlieren. Eine spezielle Uhr erkennt, wenn ein Parkinson-Patient einfriert, und gibt einen sanften Impuls. Und die Roboterpuppe Heidi kann sprechen, Augen und Mund bewegen – und soll Demenzkranken Gesellschaft leisten, wenn Angehörige nicht da sind. All das läuft unter dem Begriff „technische Alltagsbegleitung".

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Von der Forschung in die Praxis – ein Netzwerk soll helfen

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Damit die Entwicklungen nicht in der Schublade landen, haben sich die Forscher in Kamp-Lintfort im November 2023 mit drei weiteren Hochschulen zusammengeschlossen. Die Hochschule Niederrhein, die Uni Duisburg-Essen und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bilden gemeinsam das Zentrum Assistive Technologien, kurz ZAT. Jede Hochschule bringt eigene Stärken mit. Die Robotik für Heidi kommt von der Hochschule Niederrhein, die Sprachsteuerung aus Kamp-Lintfort. Unternehmen werden früh eingebunden, damit aus Forschungsprojekten irgendwann marktreife Produkte werden. Genauso wichtig ist den Forschern aber etwas anderes: Die Betroffenen selbst sitzen mit am Tisch. Ob Parkinson-Patient, ADHS-Kind oder Demenzkranker – sie alle sollen von Anfang an mitentscheiden, was wirklich gebraucht wird. Das nennen die Wissenschaftler „partizipative Forschung". Und sie wollen mehr. Das ZAT-Netzwerk will gesellschaftliche Debatten anstoßen – über Künstliche Intelligenz, über Datenschutz, über die Frage, welche Entwicklungen die Gesellschaft akzeptieren will und welche Regeln sie dafür braucht.

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