
Die Lage in den Apotheken im Kreis Wesel spitzt sich weiter zu. Nils Hagedorn von der Apotheke Wesel-Büderich berichtet gegenüber der NRZ von dramatischen Engpässen. Aktuell fehlen Asthma-Sprays, Augentropfen mit Antibiotika, Insulin und Cholesterinsenker. Auch Migränemittel und Impfstoffe gegen Lungenentzündung sind nicht lieferbar. Bei Herzmedikamenten gibt es teilweise nur noch einen einzigen Hersteller. Die Apotheker müssen oft den ganzen deutschen Markt absuchen, um Alternativen zu finden. Sie ersetzen Tabletten durch Säfte oder suchen andere Dosierungen. Melanie Matthews von der Engel-Apotheke in Wesel am Fusternberg spricht von einer "Never-Ending-Story".
Die Apotheker arbeiten deutlich mehr, bekommen aber nicht mehr Geld. Für den enormen Mehraufwand erhalten sie lediglich 60 Cent pro Medikament. Dieses Honorar ist seit 15 Jahren nicht angepasst worden. Hagedorn warnt vor den Folgen: Die Medikamenten-Engpässe verstärken das Apothekensterben zusätzlich. In der Region Nordrhein mussten im vergangenen Jahr 66 Apotheken schließen. Nur fünf neue Apotheken kamen hinzu. Die wohnortnahe Versorgung bricht Stück für Stück zusammen. Matthews und Hagedorn fordern von der Politik eine schnelle Lösung. Ohne Verbesserungen wird sich die Situation weiter verschlechtern.
Online-Apotheken verstärken das Problem
Parallel wächst der Online-Handel mit Medikamenten. Viele Kunden bestellen rezeptfreie Arzneimittel im Internet. Online-Apotheken bieten oft günstigere Preise als lokale Apotheken. Sie haben niedrigere Kosten für Miete, Personal und Lagerung. Lokale Apotheken zahlen hingegen Gewerbesteuer an ihre Gemeinden und beschäftigen Fachkräfte vor Ort. Sie bieten persönliche Beratung und sind bei Notfällen erreichbar. Viele Apotheken engagieren sich auch in ihrer Region - durch Spenden oder Präventionsprogramme. Die Apothekerverbände sehen den wachsenden Online-Handel als einen Faktor für das Apothekensterben. Zusammen mit Medikamenten-Engpässen und niedrigen Honoraren wird die Situation für viele Apotheken schwieriger.