Kultdetektive zurück: «Die drei ??? - Erbe des Drachen»

«Die drei ??? - Erbe des Drachen»
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Kinoadaption

Berlin (dpa) - Gibt es ein berühmteres Detektiv-Trio? Die drei sympathischen Amateur-Spürnasen Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews «übernehmen jeden Fall». Ihr Markenzeichen: eine Visitenkarte mit den drei Fragezeichen in Weiß, Rot und Blau. Das Detektivbüro: ein Wohnwagen auf einem Schrottplatz im kalifornischen Rocky Beach.

Dereinst 1964 unter dem Titel The Three Investigators vom US-Schriftsteller Robert Arthur ins Leben gerufen, avancierte die Jugend-Serie in Deutschland zu einem Bestseller: Rund 45 Millionen «Die drei ???»-Tonträger sollen bereits abgesetzt worden sein. Dazu gibt es die Bücher, Computerspiele und Comics, diverse Fanartikel und bisher zwei Leinwandadaptionen: 2007 kam die erste ins Kino; 2009 ging's weiter. Und nun also: «Die drei ??? - Erbe des Drachen».

Tim Dünschede («Limbo») ist für die Regie verantwortlich. In den Hauptrollen zu sehen sind: Julius Weckauf («Der Junge muss an die frische Luft») als Justus Jonas, Nevio Wendt («Rocca verändert die Welt») als Peter Shaw sowie Levi Brandl als Bob Andrews. Dazu Darsteller wie Mark Waschke («Dark»), Gedeon Burkhard («Inglourious Basterds»), Florian Lukas («Absolute Giganten»), Jördis Triebel («Babylon Berlin»).

Drei Jungs machen ein Praktikum in Rumänien

Während der Sommerferien dürfen die drei Jungs eine Reise nach Rumänien unternehmen, wo die Freunde ein Praktikum am Filmset von «Dracula Rises» absolvieren, das ihnen Peters Vater (Waschke) vermittelt hat. Der nämlich ist bei den Dreharbeiten für die Spezialeffekte verantwortlich. Kaum in Transsilvanien angekommen, häufen sich rätselhafte Ereignisse auf dem alten Schloss von Gräfin Codrina, das dem Film als Kulisse dient. Die drei Detektive wollen herausfinden, was all dies mit einem seit über 50 Jahren verschwundenen Jungen, einer mysteriösen Bruderschaft und einem rätselhaften Untoten zu tun haben kann. Und wie man es von den Dreien kennt, machen sie sich dann auch recht bald an die Ermittlungsarbeit.

Irgendwann zur Mitte hin der gelungenen, schön altmodisch anmutenden Kinoadaption (das orangefarbene, so angenehm klingelnde Tisch-Telefon) heißt es: «Wir sind Kinder und keine Detektive!». Dazu kommen all die bösen Blicke und all die Zweifel von vor allem Peters Vater, der gar nichts hält von all der Schnüffelei seines Sohnes («Bist du schon wieder im Detektivmodus?»). Was hat es mit den Geheimgängen, mit dem rätselhaften Schatz, mit dem wirklich sehr unheimlichen Hausmeister des Schlosses, was mit dem verschwundenen Jungen wirklich auf sich?

Dazu die hübsch fotografierten Innen- und Außenansichten der rumänischen Burg, die teils so unheimlich sind, dass man gar kurz die FSK-Freigabe ab sechs in Frage zu stellen beginnt. Rührend, und für manch kleineren Zuseher, manch jüngere Zuschauerin im Kinosaal vielleicht ermutigend, ist indes die Erkenntnis, dass es unseren Kultdetektiven doch schlussendlich immer irgendwie gelingen wird, skeptische Erwachsenen-Blicke Lügen zu strafen: Justus, Peter und Bob übernehmen eben nicht nur, sie lösen auch «jeden Fall».

Gudrun Landgrebe adelt den Film

Schön zudem, dass sich das atmosphärische Leinwandabenteuer nicht nur inhaltlich und visuell, sondern auch was die Besetzungsliste anbelangt um ein gereifteres Kinopublikum bemüht: Wer hätte erwartet, dass eine Gudrun Landgrebe («Die Unsichtbare», «Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief») diesen Film mit ihrer besonderen Aura (gleich in einer der ersten Szenen lässt sie ihre eisblauen Augen aufblitzen) adelt?

Die legendäre, 1950 geborene Aktrice war zwar erst 2019 in einer Serie zu sehen, hatte sich dafür aber auf großer Kinoleinwand zuletzt eher rar gemacht. Und so können sich die Jüngeren etwa über die erneut tadellose Performance eines Julius Weckauf freuen, während sich manch erfahrener Kinofan vielleicht an Landgrebes ersten größeren Kinoerfolg erinnert, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feiert: «Die flambierte Frau».

- Die drei ??? - Erbe des Drachen, D 2022, 100 Min., FSK ab 6, von Tim Dünschede, mit Julius Weckauf, Nevio Wendt, Levi Brandl.

© dpa-infocom, dpa:230119-99-276136/3

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