
In Moers zeichnet sich eine Lösung in einem jahrelangen Planungsstreit ab. Nach Informationen der NRZ soll ein Grundstück im Stadtteil Vinn – in der Nähe des Wasserturms – als Standort für eine zweite Feuerwache in Frage kommen. Der Stadtrat befasst sich am 8. Juli in nichtöffentlicher Sitzung mit einem möglichen Grundstücksankauf. Zuvor hat bereits der Feuerwehrausschuss und der Ausschuss für Bauen und Liegenschaften das Thema beraten. Offiziell bestätigt ist der Standort noch nicht. Die Hintergründe für den langen Weg bis zu diesem Punkt sind komplex. Moers hat als mittelgroße Stadt mit einer Freiwilligen Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften ein strukturelles Problem. Von der bestehenden Hauptwache am Jostenhof in Hülsdonk aus lassen sich nicht alle Stadtteile rechtzeitig erreichen. Stadtteile wie Schwafheim, Asberg oder Scherpenberg liegen zu weit entfernt. Dort dauert eine Anfahrt teils neun bis zehn Minuten – zu lang.
Feuerwehr Moers – Acht Minuten können über Leben und Tod entscheiden
Acht Minuten: Das ist die empfohlene Hilfsfrist in NRW. Innerhalb dieser Zeit sollen erste Einsatzkräfte bei einem Notfall vor Ort sein. Der Grund ist medizinisch eindeutig. Ein Mensch mit Herzstillstand hat in der Regel genau diese acht Minuten bis zur Reanimation – wenn er eine realistische Überlebenschance haben soll. Die Uhr läuft ab dem Moment, in dem ein Notruf in der Leitstelle eingeht. Sie stoppt erst, wenn die ersten Retter am Einsatzort ankommen. In Moers gelingt das von der Hauptwache aus nicht immer. Der zunehmende innerstädtische Verkehr, mehr verkehrsberuhigte Zonen und parkende Autos auf Rettungswegen verschlechtern die Lage zusätzlich. Gutachter haben deshalb schon vor Jahren eine Zwei-Wachen-Struktur empfohlen: eine Wache im Norden, eine im Süden des Stadtgebiets. Von Vinn aus würden sich laut Brandschutzbedarfsplan die bisher kritischen Bereiche im Süden und Osten der Stadt deutlich besser abdecken lassen.
Frühere Pläne scheiterten an Kosten und Standortfragen
Der Weg zu einer zweiten Feuerwache in Moers ist lang und von Rückschlägen geprägt. Ursprünglich war ein Neubau auf dem ehemaligen Edeka-Gelände an der Ruhrorter Straße geplant. Dieses Vorhaben ließ sich nicht realisieren. Dann stand eine Interimswache an der Franz-Haniel-Straße im Stadtteil Hochstraß zur Debatte – mit einem geplanten Kostenrahmen von 5,4 Millionen Euro für zehn Jahre Betrieb. Auch diese Pläne liegen seit Februar 2026 auf Eis. Gestiegene Raumbedarfe hatten das Investitionsvolumen weiter in die Höhe getrieben. Für die reinen Planungs- und Ingenieurleistungen für den Franz-Haniel-Standort sind laut Stadt bereits rund 150.000 Euro angefallen. Die Verwaltung hat daraufhin die Suche neu ausgerichtet und zwei weitere Flächen im Moerser Norden in den Blick genommen. Nach Informationen der NRZ ist die Wahl inzwischen auf ein Grundstück in Vinn gefallen – in der Nähe des Wasserturms. Der Stadtrat befasst sich am 8. Juli offiziell damit. Die Feuerwehrausschussvorsitzende Petra Kiehn von der CDU hat klar gemacht: „Es ist ganz wichtig, dass wir mit dem Bau einer neuen Wache vorankommen. Was das betrifft, haben wir dem Bürger gegenüber eine Verpflichtung."