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Razzia gegen rechtsextreme Jugendgruppen – NRW im Fokus
© Socrates Tassos / FUNKE Foto Services
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Razzia gegen rechtsextreme Jugendgruppen – NRW im Fokus

Die Bundesanwaltschaft hat gestern bundesweit fast 50 Objekte durchsucht – die meisten Beschuldigten kommen aus Nordrhein-Westfalen. Einsätze gab es auch in der direkten Nachbarschaft des Kreises Wesel.

Veröffentlicht: Donnerstag, 07.05.2026 07:16

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Über 600 Polizistinnen und Polizisten von Bund und Ländern sind gestern Morgen gleichzeitig an fast 50 Orten in zwölf Bundesländern im Einsatz gewesen. Ziel der Razzia sind mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppen „Jung und Stark" sowie „Deutsche Jugend Voran". In Nordrhein-Westfalen hat es Durchsuchungen in Duisburg, Essen, Bochum, Oberhausen und Mülheim gegeben – also in unmittelbarer Nähe zum Kreis Wesel. Insgesamt gibt es 36 Beschuldigte – NRW hat dabei mit neun Beschuldigten die meisten im bundesweiten Vergleich. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Den meisten wird darüber hinaus Rädelsführerschaft zur Last gelegt. Gegen acht Beschuldigte wird zusätzlich wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Festnahmen hat es gestern nicht gegeben – die Durchsuchungen sollen bestehende Verdachtsmomente aufklären.

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Minderjährige Mitglieder – Rekrutierung über soziale Medien

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NRW-Innenminister Herbert Reul zeigt sich alarmiert: Der jüngste Beschuldigte ist gerade mal 16 Jahre alt. Die Gruppen gibt es erst seit etwa zwei Jahren – sie sind bundesweit organisiert und unterhalten in den Ländern eigene Regionalgruppen. Rekrutiert wird gezielt über soziale Medien – mit einfachen Feindbildern und radikaler Propaganda. Laut Ermittlern sind bei Aufmärschen manchmal sogar 12- und 13-Jährige dabei. Sabine Reimann, Rechtsextremismus-Expertin an der Hochschule Düsseldorf, sagt: Die Gruppe „Jung und Stark" hat das Eintrittsalter von 18 auf 16 Jahre gesenkt – weil so viele Anfragen von Jüngeren kamen. Die Beschuldigten sollen politische Gegner angegriffen und CSD-Paraden attackiert haben. Opfer sind dabei von mehreren Angreifern geschlagen worden und haben zum Teil erhebliche Verletzungen davongetragen. Reul nennt das einen Angriff auf die Zukunft unserer Gesellschaft.

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