
Das Oberverwaltungsgericht NRW hat im August 2025 die Baupläne für die Erweiterung des Rhein-Lippe-Hafens in Wesel gestoppt – wegen zwei inhaltlicher Fehler. Jetzt startet die Stadt Wesel ein neues Bebauungsplanverfahren für dasselbe Gebiet südlich des bestehenden Hafenbeckens. Das Plangebiet umfasst rund 33 Hektar – davon sollen knapp 29 Hektar als Sondergebiet Hafen ausgewiesen werde. DeltaPort als privater Hafenbetreiber will den Ausbau – und übernimmt auch die Kosten für das neue Planungsverfahren. Kritiker sehen darin ein Problem: Wer zahlt, bestimmt die Richtung. Im Stadtentwicklungsausschuss haben die Grünen die Pläne bereits als „abenteuerlich" bezeichnet. Auch die Linken stimmten gegen den Ausbau. Laut NRZ soll es voraussichtlich im Herbst eine öffentliche Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger geben – ein konkreter Termin steht noch nicht fest.
NABU und Bürgerinitiative gegen Ausbau des Rhein-Lippe-Hafen Wesel
Der NABU-Kreisverbandsvorsitzende Peter Malzbender spricht von einem „üblen Schildbürgerstreich". Fast alle Argumente der Befürworter seien überholt, schreibt er in einer Pressemitteilung. Er warnt vor der Versiegelung wertvoller Naturflächen direkt vor den Toren von Wesel. Hunderte Meter Wildstrauchhecken würden zerstört, tausende Kleinstlebewesen vernichtet. Der NABU zweifelt außerdem daran, ob der Gütertransport über Wasser, Schiene und Straße wirklich funktioniert – denn der Rhein-Lippe-Hafen verfügt bisher über keinen eigenen Gleisanschluss und ist damit nur über Straße und Wasserweg erreichbar. Der nächste Bahnanschluss liegt rund 2,5 Kilometer entfernt beim Hafen Emmelsum. Auch der Klimawandel spiele eine Rolle: Niedrig- und Hochwasserphasen am Rhein könnten den Frachtbetrieb immer wieder einschränken. Die Bürgerinitiative „Rhein-Lippe-Aue bleibt!" wirft der Stadt vor, beim neuen Verfahren einfach alte Inhalte zu kopieren – „alten Wein in neuen Schläuchen". Beim letzten Anlauf habe die Stadt bereits über 133.000 Euro für externe Gutachten ausgegeben. Laut NRZ wird das Verfahren frühestens im Sommer 2027 abgeschlossen – wahrscheinlich sogar noch später.