
Die Mittelstraße in Schermbeck beschäftigt die Gemeinde schon seit den 1980er Jahren. Zwei Anläufe zur Verkehrsberuhigung sind in dieser Zeit bereits gescheitert. 2023 gibt es einen neuen Versuch: Vier Monate lang läuft ein Verkehrsversuch im Ortskern. Das Ergebnis ist ernüchternd. Der Umstieg auf das Fahrrad bleibt aus, der Autoverkehr verlagert sich auf Nebenstraßen. Danach folgt 2024 ein freiraumplanerischer Wettbewerb. Ein Siegerentwurf wird gewählt. Zwischenzeitlich steht sogar ein Ratsbürgerentscheid im Raum – der wird aber wieder zurückgezogen. Bürgermeister Mike Rexforth hofft nach seiner Wiederwahl, dass jetzt endlich eine Entscheidung fällt. Die Gemeinde sucht weiter nach einem tragfähigen Konzept für ihre Ortsmitte.
CDU, SPD und „Die FRAKTION" stellen gemeinsamen Antrag
Kurz vor der vierten Sitzung des Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses bringen CDU, SPD und „Die FRAKTION" nun einen neuen Vorschlag ein. Die Mittelstraße soll demnach als Einbahnstraße geführt werden – von der katholischen Kirche in Richtung Rathaus. Ein Teilabschnitt zwischen Apothekerstege und Burgstraße bleibt für Radfahrer, Busse, Anlieger, Lieferverkehr und Rettungsfahrzeuge befahrbar. Für den restlichen motorisierten Individualverkehr ist dieser Abschnitt gesperrt. An vier Stellen sind versenkbare Poller geplant – vor allem für die Sicherheit bei Veranstaltungen. Das bislang vorgesehene Fontänenfeld entfällt. Stattdessen setzt der Antrag auf eine marktgängige Beleuchtung mit Mastleuchten. Das spart laut Kostenschätzung rund 145.000 Euro in der Herstellung und bis zu 15.000 Euro jährlich an Betriebskosten. Die Umstellung bei der Beleuchtung bringt zusätzlich rund 372.000 Euro Einsparung. Die Gemeindeverwaltung bewertet die Einbahnlösung grundsätzlich positiv – sieht aber auch Risiken: Umwege für Autofahrende, mögliche Ausweichverkehre auf Nebenstraßen und Probleme bei der Kontrolle des Durchfahrtsverbots.
Grüne schlagen Fahrradstraße vor
Die Grünen gehen einen anderen Weg. Sie kritisieren den gemeinsamen Antrag als unausgereift, schreibt die NRZ. Die bisherigen Ausgaben von rund 515.000 Euro seien weitgehend ohne Ergebnis geblieben. Die nun geplante Kombination aus Einbahnstraße und Teilsperrung ist aus Sicht der Grünen nie getestet worden. Ihr Gegenvorschlag: Die Mittelstraße wird zur Fahrradstraße – mit Freigabe für motorisierten Verkehr. Fraktionsvorsitzender Dr. Stefan Steinkühler sagt dazu: „Damit stärken wir den Radverkehr, erhalten die Erreichbarkeit für Anwohner, Lieferverkehr und Busse und bleiben flexibel für spätere Anpassungen." Beide Anträge stehen heute am Mittwoch, dem 25. März, auf der Tagesordnung des Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses. Die Sitzung beginnt um 16 Uhr und ist öffentlich. Ob sich die Fraktionen auf ein gemeinsames Konzept einigen können, bleibt offen. Für die Schermbecker Ortsmitte wäre es der dritte Anlauf – und möglicherweise die letzte Chance auf eine Lösung, die alle mittragen.