
Winterspiele in Italien
Cortina d'Ampezzo (dpa) - Bei ihrer größten Medaillen-Ausbeute in der Olympia-Geschichte haben die deutschen Skeletonis den goldenen Schlusspunkt knapp verpasst. Die im Einzel jeweils mit Silber dekorierten Susanne Kreher und Axel Jungk rasten zum Abschluss abermals auf Rang zwei. Jacqueline Pfeifer und Christopher Grotheer holten mit einer Hundertstelsekunde Rückstand Bronze, nachdem sie in den Einzelrennen jeweils auch auf den dritten Platz gefahren waren.
Die im Cortina Sliding Centre als letztes Mixed-Team gestarteten Favoriten Tabitha Stoecker und Matt Weston aus Großbritannien sicherten sich mit einem Vorsprung von 0,17 Sekunden den Sieg. Im Weltcup hatten die Briten zwei von vier Staffeln gewonnen.
Mit insgesamt sechs Medaillen haben die deutschen Skeletonis ihre größte Medaillen-Ausbeute in der Geschichte der Winterspiele seit dem Olympia-Comeback 2002 in Salt Lake City verbucht.
Skeleton-Bilanz weit über Soll
Die bäuchlings und kopfüber den Eiskanal runter fahrenden Athletinnen und Athleten erfüllten damit mehr als nur ihr Soll. Auch wenn es in Peking durch Grotheer und Hannah Neise zwei Goldmedaillen gegeben hatte. «Vier Medaillen schon vor dem Team-Wettbewerb, das ist absoluter Wahnsinn», hatte Vorstandschef Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) gesagt.
Zuvor hatte das Rodel-Team mit insgesamt fünf Medaillen, darunter dreimal Gold, abgeräumt. Der BSD, der in den Strukturgesprächen in allen drei Kufen-Disziplinen neun bis elf Medaillen angepeilt hat, bleibt damit schon jetzt der erfolgreichste deutsche Wintersport-Fachverband. Und die erfolgsverwöhnten Bobfahrerinnen und Bobfahrer kommen erst noch.
Mit viel Euphorie ins Team-Rennen
Nach den erfolgreichen Einzelrennen hatten die deutschen Skeletonis die Feierlichkeiten im Deutschen Haus extra ausgelassen. «Ich hatte brutal mit Krämpfen zu tun, wir mussten viel Physio machen. Daher war die Devise, zwei Tage die Füße still halten und nach dem Team-Rennen lassen wir es krachen», sagte Jungk. Familienvater Grotheer betonte nach vielen Verletzungsrückschlägen: «Ich habe ewig nichts getrunken, ich wäre sofort breit.»
Und die mit einem Last-Minute-Ticket zu Olympia gereiste Kreher musste ihr Sensations-Silber erstmal verarbeiten. Die sächsische Skeleton-Pilotin, die wie Rodel-Königin Julia Taubitz aus Annaberg-Buchholz kommt, hatte es «noch nicht ganz realisiert. Es fühlt sich noch wie ein Traum an», sagte sie. Pfeifer konnte nach Bronze im Team befreit fahren. Das Einzelrennen war «irgendwie ein Kampf für mich.» Gerettet habe sie vor allem die «mega gute Materialabstimmung. Unser ganzes Team ist da top aufgestellt».
Schlitten-Wagnis ging auf
Die Taktik, die neuen aerodynamischen FES-Schlitten erst in Cortina zu fahren, ging auf. «Ein großes Dankeschön an unsere Mechaniker und Trainer, die hatten viele schlaflose Nächte zuletzt», sagte Jungk. Die im Berliner Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) getunten Schlitten wurden erstmals im Wettkampf gefahren. Erst nach dem Weltcup-Finale in Altenberg testeten die Deutschen die Geräte mit verbesserter Aerodynamik. Auch die Anzüge wurden im Windkanal optimiert.
