
Der Verkauf der Thyssenkrupp-Stahlsparte an den indischen Konzern Jindal Steel International ist vorerst vom Tisch. Beide Unternehmen haben sich darauf geeinigt, die seit September 2025 laufenden Verhandlungen auszusetzen. Das teilt Thyssenkrupp in einer Pressemitteilung mit. Hauptstreitpunkt sollen laut dpa milliardenschwere Pensionsverpflichtungen gewesen sein. Hinzu kommen ungeklärte Fragen zu Energiekosten und notwendigen Investitionen. Thyssenkrupp-Chef Miguel López sagt: Die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung des Stahlbereichs seien so gut wie lange nicht mehr. Als Grund nennt der Konzern auch bessere Rahmenbedingungen in Europa. Die EU hat angekündigt, die europäische Stahlindustrie besser vor globalem Dumping und Überkapazitäten zu schützen.
Stahl soll auf eigene Beine – aber erst später
Thyssenkrupp will die Stahlproduktion jetzt aus eigener Kraft sanieren – so der Plan des Konzerns. Grundlage soll ein Sanierungstarifvertrag sein, den Thyssenkrupp mit der IG Metall vereinbart hat. Die Gewerkschaft begrüßt das Ende der Jindal-Gespräche – fordert aber Klarheit. Es müsse einen klaren Schnitt geben, ohne Hintertür, sagt IG-Metall-Vize Jürgen Kerner. Mittelfristig bleibt das erklärte Ziel: Die Stahlsparte soll auf eigene Beine gestellt werden – mit einer möglichen Minderheitsbeteiligung von Thyssenkrupp. Parallel dazu bereitet der Konzern die Ausgliederung der Stahlhandels-Sparte Materials Services vor. Mehr als 15.000 Beschäftigte sind dort tätig. Im Mai trifft sich der Aufsichtsrat – dann sollen weitere Entscheidungen über den Konzernumbau fallen. Thyssenkrupp beschäftigt insgesamt gut 93.000 Menschen – davon rund 26.000 in der Stahlsparte.