
Der Bundestag hat die Apothekenreform mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD verabschiedet. Das Gesetz sieht vor, dass Apotheken künftig deutlich mehr Leistungen anbieten dürfen. Dazu gehören Impfungen gegen Tetanus oder FSME, Standard-Blutentnahmen und in bestimmten Fällen sogar die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten ohne vorheriges Rezept. Letzteres soll vor allem chronisch kranken Menschen zugutekommen – etwa wenn sie am Wochenende dringend benötigte Medikamente nicht mehr haben. Auch Schnelltests gegen Grippe, Noro- oder Rotaviren sollen künftig in Apotheken möglich sein. Neu ist außerdem: Apotheken sollen stärker in der Prävention aktiv werden – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Das Gesetz tritt in Kraft, wenn der Bundesrat am 12. Juni zustimmt. Noch diese Woche soll das Bundeskabinett zudem über die Honorarerhöhung für Apotheken entscheiden – die ist als eigene Verordnung separat geregelt.
Apotheken im Kreis Wesel bekommen mehr Geld – und mehr Aufgaben
Finanziell sollen die Apotheken ebenfalls gestärkt werden. Ab dem 1. Juli soll das Apothekenhonorar von bisher 8,35 Euro auf neun Euro steigen. Anfang 2027 folgt ein weiterer Schritt auf neun-fünfzig Euro. Das soll vor allem kleinere Apotheken wirtschaftlich stabilisieren. Die neuen Leistungen – Impfungen, Blutentnahmen, mehr Beratung – könnten besonders in Orten wie Alpen, Schermbeck oder Hünxe wichtig werden. Dort sind Arzttermine oft schwerer zu bekommen und die Wege weiter. Gleichzeitig gibt es klare Kritik an der Reform. Ärztevertreter warnen: Impfungen und Blutentnahmen gehören wegen möglicher Komplikationen in ärztliche Hand. Die gesetzlichen Krankenkassen schlagen ebenfalls Alarm – die Reform kostet nach ihren Angaben über eine Milliarde Euro pro Jahr, ohne dass eine Gegenfinanzierung vorgesehen ist. Wie die Reform im Alltag umgesetzt wird, hängt auch davon ab, ob Apotheken das nötige Personal haben – denn Fachkräftemangel ist auch in Apotheken ein Thema.