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Zwei getragene Eheringe liegen auf einem zerrissenen Papier
© Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der Blick in die Scheidungsstatistik zeigt einen klaren langfristigen Trend. (Symbolbild)
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Historisches Tief bei Zahl der Hochzeiten - mehr Scheidungen

Vergangenes Jahr wurden so wenige Ehen geschlossen wie noch nie seit 1950 - gleichzeitig scheiterten mehr. Was die Statistik noch zeigt und mit welchen Problemen Paare heute kämpfen.

Veröffentlicht: Freitag, 26.06.2026 10:45

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Statistisches Bundesamt

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Wiesbaden (dpa) - Die Zahl der Hochzeiten ist vergangenes Jahr in Deutschland auf einen historischen Tiefstand gefallen. 2025 sagten 348.800 Paare «Ja» und damit so wenige wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Der niedrige Wert aus dem Vorjahr wurde nochmals um 0,1 Prozent unterboten.

Die Zahl der Eheschließungen ist laut der Statistik langfristig rückläufig. Im Vergleich zum Jahr 2003 beträgt der Rückgang 8,9 Prozent.

Zudem wurden im vergangenen Jahr etwas mehr Ehen geschieden: 2025 endeten rund 130.100 Ehen durch richterlichen Beschluss, das waren den Angaben zufolge 0,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 

Langfristig betrachtet geht allerdings auch die Zahl der Scheidungen zurück: 2025 gab es 39,2 Prozent weniger Scheidungen als 2003, damals war der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht worden. Auf ein Rekordtief 2023 folgte eine leichte Zunahme.

Probleme bei der Kommunikation und beim Thema Sex

Paare kämpfen nach Erfahrung des Therapeuten Jochen Cunz mit Problemen wie mangelnder Kommunikation, Neugier oder Einfühlungsvermögen eines Partners. Auch unterschiedliche Vorstellungen von körperlicher Nähe und Sex gehören in seiner Praxis seit Jahren zu den Dauerbrennern. 

Den Menschen stehe heute die Welt offen, während sie früher bei der Partnersuche lokal eingeschränkt gewesen seien. «Da glauben manche, dass es irgendwo doch noch jemanden besseren geben muss», sagt Cunz.

Zudem sei es zunehmend so, dass Frauen unter hoher Arbeitslast litten, da sie trotz Berufstätigkeit einen großen Anteil der unbezahlten Care-Arbeit in der Familie leisteten - oder die gesamte. «Viele Frauen sagen, "Ich kann nicht mehr"». Auch heute seien es fast ausnahmslos die Frauen, die den Ausschlag zur Paartherapie gäben, sagt der in Bad Homburg bei Frankfurt praktizierende Therapeut.

Ehe-Aus im Schnitt nach 14 Jahren

Ein weiterer Trend, der sich in der Statistik zeigt: Ehen werden immer später geschieden. Die Scheidung kam vergangenes Jahr im Schnitt nach 14 Jahren und 7 Monaten, 1994 noch nach durchschnittlich 12 Jahren. 

Etwa 16 Prozent der Paare ließen sich 2025 im Jahr ihrer Silberhochzeit nach 25 Jahren Ehe oder später scheiden. In den 1990er Jahren lag dieser Anteil noch unter elf Prozent.

Die Berliner Familienanwältin Alicia von Rosenberg kann dies bestätigen: «Wenn die Kinder aus dem Haus sind, hat man hat heute noch einen großen Lebensabschnitt vor sich. Zu mir kommen teilweise Menschen, die 70 Jahre alt sind oder älter, die zusammen Kinder aufgezogen haben und sich dann aber für eine Trennung entscheiden.»

«Wir funktionieren als Paar nicht mehr»

Auch Paare mit kleinen Kindern kommen ihr zufolge in ihre Kanzlei. Wie bei den Älteren falle auf, dass häufig schon vieles vereinbart sei: «Sie sagen, wir funktionieren als Paar nicht mehr, wollen uns aber die Verantwortung weiter teilen.» Die Väter bringen sich laut Rosenberg heute sehr viel stärker ein. 

Sie empfehle betroffenen Eltern eine Beratung dazu, was in Trennungsphasen als Familie wichtig ist und wie man Kinder eine Trennung am besten mitteilt, sagt die Anwältin. 

2025 hatten etwas mehr als der Hälfte der Scheidungspaare minderjährige Kinder: Das Bundesamt gibt ihre die Zahl insgesamt mit etwa 113.400 an.

Eine weitere langfristige Entwicklung laut Bundesamt: Der Anteil der Ehescheidungen mit einem Kind nimmt ab, der Anteil mit zwei oder mehr Kindern nimmt zu. 2025 hatte mehr als jedes zehnte Scheidungspaar drei oder mehr Kinder. 

Wechselmodell oder Eltern-WG zum Wohl der Kinder

Paartherapeut Cunz berichtet, dass die Paare aus seiner Erfahrung Lösungen suchten und fänden, um die Trennung für die Kinder so verträglich wie möglich zu machen. So blieben die Kinder im Haus und die Eltern wohnten dort im Wechsel – oder man wohne wie in einer Wohngemeinschaft weiter zusammen, obwohl man kein Paar mehr sei. 

Rund 90 Prozent der Scheidungsanträge wurden vergangenes Jahr mit Zustimmung des Ehegatten oder der Ehegattin eingereicht, mit 81 Prozent wurden die meisten Paare nach einer Trennungszeit von einem Jahr geschieden. 

1,3 Prozent der Ehescheidungen betrafen 2025 gleichgeschlechtliche Paare, insgesamt rund 1.700. Der Anstieg im Vorjahresvergleich betrug zehn Prozent. Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2017 in Deutschland heiraten. 

2025 wurden 339.900 Ehen zwischen Mann und Frau geschlossen, 8.900 Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts.

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© dpa-infocom, dpa:260626-930-286648/2
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© Christian Lademann/dpa
Die Zahl der Hochzeiten fiel auf einen Tiefststand. (Symbolbild)
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© Malin Wunderlich/dpa
Getrennte Paare setzen heute etwa auf ein Wechselmodell oder wohnen wie in einer WG weiter zusammen – ihren Kindern zuliebe. (Symbolbild)
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