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Mieten oder kaufen

Was ist günstiger - ein Haus finanzieren oder eine Wohnung kaufen? Oder bleibt's bei der Miete? Welche Vorteile hat das und was ist eigentlich der Energieausweis? Wir fragen nach bei Bänkern, klären die Möglichkeiten des Neubaus und geben Ihnen eine Woche lang täglich Tipps an die Hand.

Kostenfrage | Energieausweis | Mietminderung | Nebenkosten | Mieterhöhung

Teil 1: Die Kostenfrage
Auf die Frage "Mieten oder wohnen?" haben unterschiedliche Finanzexperten unterschiedliche Antworten.

Was ist günstiger? Schokolade von der führenden Marke oder vom Discounter? Die Antwort liegt auf der Hand. Beim Thema „Wohnen“ ist das schon schwieriger. Was ist günstiger: Mieten oder Kaufen? Schwierig, weil man so viele Faktoren beachten muss. Für den Finanzexperten Jens Ostermann-Schelleckes von der Verbandssparkasse Wesel ist der Fall natürlich klar:

"Klar kaufen, vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen kann ich die klare Empfehlung geben. Wer jetzt versucht, sein Geld auf die Kante zu legen auf dem normale Sparbuch, bekommt da keine Verzinsung für. Die Inflationsrate ist so hoch, dass Sie eigentlich real Geld vernichten, wenn Sie es einfach nur weglegen."

Ein plakatives Beispiel: Ein Einfamilienhaus, Neubau kostet 350.000 bis 400.000 Euro. Im Monat zahlt man dann ungefähr 1200 Euro kalt im Monat. Als Faustformel gilt, dass man nicht mehr als ein Drittel des Monatseinkommens in die Finanzierung steckt. In unserem Beispiel muss der Hausbesitzer dann also über 3.500 Euro netto im Monat verdienen. Eine durchschnittliche Finanzierung ist laut Statistik übrigens nach 18 Jahren gelaufen.

Finanzierung schon für 800 Euro monatlich?

Andere Bänker haben aktuell eine Faustformel, die besagt: Für 800 Euro im Monat kann man eine Immobilie im Wert von 170.000 Euro finanzieren. Wer aber heute eine Wohnung hat, die 800 Euro Miete kostet, wird in den seltensten Fällen für 170.000 Euro etwas Vergleichbares zum Kaufen finden. Er muss also mit einer höheren Belastung kalkulieren. Dazu muss man sehen, dass in der Finanzierungsrate für ein Haus oder eine Wohnung bereits ein Sparanteil enthalten ist. In der Miete ist das natürlich nicht gegeben. Wer ein Haus baut, braucht diesen Sparanteil aber auch, um die Immobilie instand zu halten - das brauchen Mieter nicht.

Der Einzelfall entscheidet individuell

Die Frage was günstiger ist, lässt sich nicht einfach mit einem Ja oder Nein beantworten. Wer darüber nachdenkt, eine Immobilie zu kaufen, muss ganz genau abwägen, wieviel Geld er im Monat zur Verfügung hat, wie lange er finanzieren will und wie die voraussichtliche Wertsteigerung der Immobilie aussieht.

Teil 2: Der Energieausweis
Der Energieausweis gilt als Steckbrief für Wohngebäude.

Wie viel Energie verbraucht ein Kühlschrank oder ein Wasserkocher? Das steht in der Regel auf dem Typenetikett oder am Stromkabel. Aber wie viel Energie verbraucht ein Haus? Das steht nicht einfach drauf, dafür gibt es den sogenannten Energieausweis.

Energieausweis zeigt Durchschnittswerte auf

Der Energieausweis ist im Grunde ein Dokument, das aufzeigt, welchen Energiestandard ein Haus hat. Darunter sind allgemeine Informationen enthalten, wie zum Beispiel: Ist eine Ölheizung verbaut oder ein Pelletofen? Aus diesen Informationen und Verbrauchswerten sowie dem Grundriss des Hauses wird dann eine Art Energiedurchschnitt errechnet. Der muss aber nicht zu einhundert Prozent zutreffen, weil verschiedene Menschen auch verschieden heizen.

Ausweispflicht auch für Vermieter

Für Neubauten und bestehende Gebäude ist dieser Pass Pflicht - auch als Vermieter muss man ihn erstellen lassen. Das ist auch nötig, wie Christiane Gottschalk vom Mieterverein Wesel im Radio K.W.-Interview sagte:

"Ein Energieausweis muss vorgelegt werden, wenn eine Wohnung verkauft oder neu vermietet wird. Der Mieter kann also verlangen, dass der Eigentümer einen Energieausweis vorlegt."

Eine andere Situation ist gegeben, wenn man die Wohnung bereits länger bezogen hat. Sollte dem Mieter zum Beispiel die Heizungsabrechnung komisch vorkommen, muss der Vermieter die Nebenkosten offenlegen und erläutern, nicht aber den Energieausweis vorzeigen. Die Einsicht in den Energieausweis gilt nur vor dem Einzug. Der Kostenpunkt für so einen Schein liegt übrigens zwischen 40 und 140 Euro.

Teil 3: Mietminderung
Die Miete mindern ist zum Beispiel bei Schimmelbefall möglich.

Ein immer wiederkehrender Streit zwischen Mieter und Vermieter sind Schäden in der Mietwohnung. Bei selbstverursachten Schäden ist die Sache klar, die muss der Mieter selbst beheben, bzw die Kosten dafür übernehmen. Anders sieht es bei Mängeln in der Wohnung aus. Da ist der Vermieter in der Pflicht.

Bei kleineren Mängeln hat der Vermieter ca. vier Wochen Zeit, diese zu beheben. Sollte das nicht passieren oder man kann den Vermieter nicht erreichen, da er möglicherweise im Urlaub ist, dann kann man von seinem Selbsthilferecht gebrauch machen. Das heißt: man bestellt eine Fachfirma, die auf Kosten des Vermieters die Mängel behebt.

Nach so einer Notfall-Reparatur muss man aber schnellstmöglich den Vermieter informieren. Möglichst schriftlich. Schriftlich ist auch das Stichwort bei einer Mietminderung. Die darf ich durchsetzen, wenn gemeldete Mängel nicht behoben werden. Man verfasst eine sogenannte Mängelanzeige. Falls der Vermieter darauf nicht reagiert, sollte man ein erneutes Schreiben verfassen und darin sollte direkt vermerkt werden, dass falls erneut nichts geschieht, weniger Miete bezahlt wird.
Es gibt leider keine Tabelle, bei welchen Mängeln ich die Miete um wieviel mindern darf. Bei Schimmelbefall in Wohnräumen sind 20 Prozent angemessen, der längere Ausfall der Heizung kann sogar eine Mietminderung von 70 Prozent rechtfertigen.

Teil 4: Nebenkosten
Die Rechnung für die Nebenkosten muss transparent sein, ansonsten ist ein schriftlicher Einwand möglich.

An vielen Rechnungen gibt es Grund genauer nachzuhaken: Ein klassischer Fall ist die Nebenkostenabrechnung. Die Nachzahlung ist gefühlt meist eh viel zu hoch und zweitens versteht man nur Bahnhof.

Auf der Abrechnung muss der Vermieter die angefallenden Gesamtkosten und den Verteilerschlüssel angeben. Falls dazu keine genauen Regelungen zum im Mietvertrag angegeben wurden, so gilt der Verteilerschlüssel der Wohnfläche.

Eine Abrechnung ohne Verteilerschlüssel ist unwirksam. Die Abrechnung muss insgesamt transparent sein - ich muss verstehen, wie sich die Rechnung zusammensetzt, ansonsten sollte ich nachhaken oder einen schriftlichen Einwand schreiben und dazu habe ich aufjedenfall Recht. Anschließend muss der Vermieter eine neue Abrechnung vorbringen.

Teil 5: Mieterhöhung
Eine Mieterhöhung muss schriftlich und begründet erfolgen.

Wann darf mein Vermieter die Miete erhöhen? Das kann er zum Beispiel wenn meine Wohnung energetisch aufgewertet wurde, so dass künftig zum Beispiel Strom und Heizkosten eingespart werden können. Dann darf der Vermieter qausi Teile der Investionen als Mieterhöhung verlangen. Eine Mieterhöhung MUSS aber schriftlich angemeldet und BEGRÜNDET werden. Der Mieter hat immer das Recht, seine Meinung dazu zu äußern.

Damit es kein Mietwucher gibt, will die Große Koalition die sogenannte "Mietpreisbremse" beschließen. Das heißt, Vermieter sollen die Miete innerhalb drei Jahren "nur noch" um insgesamt 15 Prozent erhöhen dürfen, statt bisher 20 Prozent.


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