Dinslaken - Aufbereitung der Märzunruhen vor 100 Jahren

Im März 1920 - vor genau 100 Jahren - fand im Ruhrgebiet und am Niederrhein ein Bürgerkrieg statt, der heute fast vergessen ist. Der damaligen Armee - der Reichswehr - stand damals die Rote Ruhrarmee gegenüber, dazwischen die Zivilisten. Auch das Dinslakener Stadtarchiv erinnert an das Geschehen von damals.

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Im März 1920 - vor genau 100 Jahren - fand im Ruhrgebiet und am Niederrhein ein Bürgerkrieg statt, der heute fast vergessen ist. Der damaligen Armee - der Reichswehr - stand damals die Rote Ruhrarmee gegenüber, dazwischen die Zivilisten. Auch das Dinslakener Stadtarchiv erinnert an das Geschehen von damals. Auf der eigens erstellten Internetseite www.buergerkrieg-1920.de wird in 12 Episoden aufgearbeitet, wie es zu den Unruhen kam, wann und wo gekämpft wurde. Nach und nach werden die Episoden hochgeladen, die damaligen Geschehnisse quasi live aufbereitet - nur mit 100 Jahren Verzögerung.

Vorgeschichte

Nach Ende des ersten Weltkriegs 1918 standen sich drei Gruppen gegenüber: Einerseits die Monarchisten, die das Kaiserreich bewahren wollten, andererseits Arbeiter und Sozialisten, die nach der russischen Revolution von 1917 auch Deutschland zur sozialistischen Republik erklären wollten und dazwischen die Sozialdemokraten, die eine demokratische Staatsordnung - später die Weimarer Republik - einführen wollten.

Verschärft wurde der Konflikt durch die Folgen der Niederlage: Reparationszahlungen und Wirtschaftskrise führten zu einer Notlage im Ruhrgebiet. Die Reichswehr, damals noch 400.000 Mann stark, sollte auf 100.000 Soldaten reduziert werden und die Ordnung im Ruhrgebiet sichern.

Anlass

Am 13. März 1920 zwang der Kapp-Lütwitz-Putsch, ein Putschversuch von Rechts, die sozialdemokratische Regierung zur Flucht aus Berlin. Die Gegenreaktion erfolgte schnell in Form eines Generalstreiks. Nach fünf Tagen war der Putsch beendet, insbesondere im Ruhrgebiet schlossen sich an den Streik aber bewaffnete Kämpfe an. Zwischen 50.000 und 60.000 Bewaffnete formierten sich in der Roten Ruhrarmee.

Kämpfe im Kreis Wesel

Zwei Standorte von besonderer Bedeutung gab es im Kreis Wesel: Einerseits Wesel als Festungsstadt, in der die Reichswehr stationiert war; Andererseits Lohberg mit seiner Zeche als Hochburg der Arbeiterbewegung und der Roten Ruhrarmee. Am 19. März kam aus Münster der Befehl an die Reichswehr in Mülheim und Düsseldorf, sich nach Wesel zurückzuziehen. Auf dem Weg durch Dinslaken und Voerde, wurden Zivilisten zum Teil in ihren eigenen Häusern erschossen. Die Rote Ruhrarmee folgte der Reichswehr mit dem Ziel, Wesel einzunehmen.

Die Reichsregierung wollte die Kämpfe beenden. Sie stellte ein Ultimatum: Spätestens am 2. April sollten die Waffen abgegeben und die Kämpfe eingestellt werden. Die Bedingungen konnten nicht erfüllt werden. Am ersten April marschierte die Reichswehr mit dem Auftrag, die Aufstände niederzuschlagen in das Ruhrgebiet ein. Ulrich Krahn, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Dinslakener Stadtarchiv, hat sich mit der Geschichte um die Märzaufstände auseinandergesetzt und die Vorgänge für euch zusammengefasst.

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