Zu viel Mikroplastik: Kunstrasen-Plätze schaden der Umwelt

Fußball-Kunstrasenplätze sind schlecht für die Umwelt. Das belegt eine Studie eines Forschungsteams des Fraunhofer Instituts. Warum das aber kein Grund zum Verzweifeln ist, erklären wir euch.

Viele Kunstrasenplätze in Deutschland haben ein Problem, genauer gesagt die Oberflächen eines jeden 'KuRa' - dem Gummi-Granulat. Ein Forschungsteam vom "Fraunhofer-Institut für Umwelt" hat eine Studie zu Kunstrasenplätzen veröffentlicht. Das Team hat sich zwar nicht alle Plätze angeschaut, denn allein in Deutschland und der Schweiz gibt es rund 6.500. Allerdings haben sie Stichproben genommen: insgesamt 20 Kunstrasenplätze haben Forscherinnen und Forscher an verschiedenen Orten untersucht.

Dabei haben sie auf folgendes geschaut: Wie viel von dem Gummi-Granulat war vorhanden, als der Platz neu angefertigt wurde, wie viel wurde bei Wartungen hinzugefügt und wie viel Granulat ist zur Stichprobe noch drauf. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Im Schnitt verliert ein Kunstrasenplatz pro Jahr drei Tonnen Plastik, ein Kleinwagen wiegt zum Vergleich rund eine Tonne.

Klar, Granulat landet in Turnbeuteln oder Sportschuhen und wird - meistens - zuhause entsorgt. Jedoch landet ein Großteil über Spielbetrieb oder Wind und Regen in der Umwelt. Jürgen Bertling, Leiter der Studie erklärt, dass dies oft unauffällig passiert. "Wir haben überraschenderweise auch auf Dachrinnen Granulatreste gefunden, wo wir uns dachten, wie das denn bitteschön gehen soll." Am Anfang, wenn das Granulat noch neu ist, sehe man es kaum auf Pflastersteinen oder ähnlichen Orten, so Bertling. "Es ist anfangs noch braun oder schwarz, aber ein geschultes Auge könne Unterschiede dann definitiv wahrnehmen." Genau beziffern, wie viel in der Umwelt landet und wie viel anständig entsorgt werde, sei sehr schwierig.

Warum Fußball-Vereine und Fans sich aber nicht große Sorgen machen müssen

Trotzdem kann es langfristig Konsequenzen geben, um die Umwelt zu schützen. Die Europäische Kommission plant ein Gesetz. Die Europäische Chemikalien-Agentur (ECHA) habe Vorschläge entwickelt, wie der Einlass von Mikroplastik in die Umwelt reduziert werden könne. In einem ersten Bericht ist davon die Rede, Gummi-Granulat auf die Verbotsliste der sogenannten REACH-Verordnung zu setzen. Aufgrund diverser Regularien und Gesetzeswege bzw- hürden, sei Berichten zufolge ein Verbot aber noch in ganz weite Ferne gerückt.

Bevor Fußball-Vereine oder Fans verzweifeln: Kunstrasenplätze allgemein seien nicht das Problem, sondern eben das Gummi-Granulat. Genau dies könnte auch schlussendlich verboten werden. Kunstrasenplätze an sich haben im Vergleich sogar eine gute Klimabilanz, sagt der Forscher vom Fraunhofer-Institut: "Wenn wir den Kunstrasenplatz mit Hallenbädern oder Fitnessstudios, schneidet er hervorragend ab. Der Rasen muss nicht beheizt werden und kann fast das gesamte Jahr über genutzt. Das ist ein großer Vorteil für den Fußball gegenüber anderen Sportarten."

Autoren: Sascha Faßbender & Joachim Schultheis

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