Neue Schiedsleute in Hamminkeln gesucht - was genau das ist

Sie entlasten Polizei und Justiz - Schiedsleute schlichten, statt zu richten. Klassische Tätigkeitsfelder sind Nachbarschaftsstreitigkeiten. Hamminkeln sucht wieder Ehrenamtliche.

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Schiedsleute werden vereidigt und sollen außergerichtliche Kompromisse herbeiführen. Die Stadt Hamminkeln sucht gerade wieder drei Freiwillige für dieses Ehrenamt. Voraussetzungen für das Ehrenamt sind ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, Fingerspitzengefühl, Gerechtigkeitssinn und ein gesunder Menschenverstand. Die Bewerber dürfen nicht jünger als 30 und nicht älter als 70 Jahre alt sein. Eine juristische Vorbildung ist nicht notwendig, auf Seminaren werden die notwendigen Kenntnisse vermittelt. Die Erfolgsquote ist hoch - in gut 80 Prozent der Fälle kommt es zu einer Einigung. Die wird protokolliert, gerichtlich bestätigt und ist dann 30 Jahre gültig. Schiedsleute werden vom Stadtrat für fünf Jahre gewählt.

Welche Bereiche werden abgedeckt?

Schiedsleute kümmern sich um strafrechtliche Delikte wie Beleidigung, Hausfriedensbruch, leichte Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Verletzung des Briefgeheimnisses. Außerdem vermitteln sie in zivilrechtlichen Streitigkeiten wie Schadensersatz, Schmerzensgeld, Verstöße gegen die Hausordnung und vor allem um nachbarschaftliche Streitigkeiten. Klassiker sind Baumäste, die über den Zaun ragen, der zu laute Hund oder die Pumpe vom Pool, die stört. Überdurchschnittlich sind es ältere Menschen, die sich an Schiedspersonen wenden. In Voerde werden im Schnitt zwei Fälle pro Monat geschlichtet. Dazu kommen im Jahr ca. 30 sogenannte Tür- und Angelfälle hinzu, in denen Schiedsleute telefonisch Rat und Tipps gegeben. Eine rechtliche Beratung gibt es aber nicht. Schiedspersonen sind auch ausdrücklich nicht für Familien- und Arbeitsrecht zuständig.

Wie läuft so ein Schlichtungsgespäch ab?

Eine Partei wendet sich mit ihrem Problem an die Schiedsperson und schildert den Fall. Die Schiedsfrau oder der Schiedsmann lädt daraufhin beide beteiligten Parteien in einen neutralen Raum ein. Dieser befindet sich meistens im Rathaus oder auch im Pfarrheim. In der Atmosphäre des amtlichen Gebäudes moderiert die Schiedsperson das Gespräch, in dem beide Seiten ihre Sicht darstellen und begründen. Idealerweise kommt es am Ende zu einem Kompromiss, der protokolliert und von beiden Perteien unterzeichnet wird. Die Einigung wird gerichtlich bestätigt und ist 30 Jahre gültig.

Wo finde ich die für meinen Bezirk zuständige Schiedsperson?

Schiedspersonen sind auf der Homepage der jeweiligen Stadt zu finden. Sie sind telefonisch oder per Mail erreichbar. Auch Polizei und Ordnungsamt kennen die Schiedspersonen und können notfalls den Kontakt herstellen.


Warum lohnt sich der Weg zur Schiedsperson?

Die Vermittlung durch die Schiedsperson ist mit knapp 50 Euro kostengünstig. Es gibt nur Gewinner, keine Verlierer. Beide Parteien einigen sich auf einen Kompromiss, besiegeln ihn mit ihrer Unterschrift und geben sich die Hand. Die Alternative zum Schiedsverfahren wäre ein gerichtliches Urteil, das ist aber oft Quelle für neue Streitereien. Rechtsschutzversicherungen verleiten oft zu schnell und unnötig zu einer Klage.

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